Herren I, Landesliga
Geschrieben von: Rainer Herb   
Montag, 08. März 2010 um 18:43 Uhr
Samstag, 06. März 2010   18.00 Uhr

TV Schriesheim – TVE   25:35 (11:17)

Triumph des Eppelheimer „Jugendstils“


Einen lockeren Sieg über den TV Eppelheim und danach feiern auf dem Mathaisemarkt, so dachten wohl Spieler und Zuschauer des TV Schriesheim. Doch was sie dann beim 25:35 (11:17) Sieg der Gäste erleben mussten, riss sie aus allen Träumen, nämlich eine Spitzenmannschaft der Landesliga zu sein. Dabei waren die Perspektiven im Eppelheimer Lager alles andere als hoffnungsvoll. Chrissi Föhr und Florian Hoffmann weilten im Skiurlaub, Eduard Heier saß nach wie vor in Straßenkleidung auf der Bank und selbst Robin Erb, Michi Hofmann und Hannes Stroh nahmen angeschlagen auf der Auswechselbank Platz, die letzterer aus Gründen der Schonung überhaupt nicht verließ. In dieser Notsituation besann sich Leo Paramonov auf ein Mittel, das vor Jahren schon den erfolgreichen Aufstieg in die Landesliga brachte, er warf die „Jungen“ ins Feuer. Fünf Spieler die noch nicht über zwanzig Lenze zählten, kamen an diesem Tag zum Einsatz, drei davon in der Startformation. Und die brannten ein Feuerwerk ab, dass die Hausherren wohl meinten, der Mathaisemarkt wäre schon zu Ende.Nach sieben Minuten nahm Schriesheims Trainer Roger Größl bereits seine Auszeit, da stand es 0:5. Zwar kämpften sich die Hausherren allmählich wieder heran, hatten nach 18 Minuten auf 7:9 verkürzt, doch als Klotz auf die Strafbank musste, nutzten die „jungen Wilden“ den Freiraum und schraubten das Ergebnis auf 8:14, eine Tordifferenz, die auch noch bei Halbzeit Bestand hatte (11:17). Mit welcher Euphorie die Jungen agierten, zeigt die Tatsache, dass 16 der 17 Tore auf ihr Konto gingen, Janek Förch (7), Fabian Dienemann (6), und Daniel Schweizer (3) waren nicht zu bremsen.

Dass es nicht so einfach werden würde, an diese Leistung weiter anzuknüpfen, war jedem kundigen Beobachter klar, zumal nun Schriesheim wild entschlossen aus der Pause kam und bereits nach knapp sechs  Minuten auf 16:19 verkürzt hatte. Doch nun nahm „Trainerfuchs“ Paramonov seine Auszeit, setzte verstärkt auf die erfahreneren Spieler Robin Erb und Michi Hofmann, die wieder Ruhe und Struktur ins hektisch gewordene Spiel brachten. Hinzu kam, dass die Hausherren sich durch ihre härter gewordene Gangart in den nächsten acht Minuten drei Mal selbst dezimierten, die „Roten“ aus Eppelheim zogen wieder auf 18:25 weg und erhöhten gar auf 20:29 zehn Minuten vor Spielende. Nun waren die Hausherren so konsterniert, dass sie auch eine zweimalige Überzahl nicht nutzen konnten, sie scheiterten mehrfach am phantastisch haltenden Martin Kriechbaum. Ihr letzter Versuch, durch eine offensive Deckungsvariante das Spiel umzubiegen, misslang ebenfalls, da waren die Gäste zu ausgebufft, das Endergebnis von 25:35, eine Sensation, wenn man den Tabellenplatz der beiden Mannschaften betrachtet, aber am Ende absolut gerechtfertigt.

Die Einzelkritik auf Eppelheimer Seite kann am heutigen Tage keinen Schwachpunkt ausmachen. Beide Torhüter hielten hervorragend gegen den sonst so wurfgewaltigen Schriesheimer Rückraum, in dem nur Felix Hildenbeutel (10 Tore) annähernd Normalform erreichte. Das lag aber auch an der Deckung des TVE. Der kleinste, Fabian Dienemann, wurde als vorgezogener Indianer zum „Größten“, weil er das gefürchtete Kreuzen der Hausherren immer wieder unterbinden konnte. Dahinter blockten die „Langen“, Julius Tervoort und Sebastian Dürr, reihenweise gegnerische Würfe und schalteten den Kreisläufer so gut wie völlig aus. Im Angriff überzeugten die Youngsters. Höhepunkt war der Sololauf von Janek Förch, der in der Abwehr einen Ball heraus fing, drei zurückeilende Schriesheimer umdribbelte und einwarf. Aber auch Michi Hofmann knüpfte an die Form der letzten Spiele an, 6 Kreisläufertore meist im Zusammenspiel mit Robin Erb zeugen von der Qualität dieser Achse. Eine starke Partie lieferte auch Daniel Schweizer, der in 1:1 Aktionen kaum zu bremsen war und zeigte, dass er durchaus eine Alternative im Rückraum ist. Eine besondere Genugtuung  hatte Robin Erb, denn alle die jungen Spieler sind aus der A-Jugend hervorgegangen, die er mehrere Jahre trainiert hat und mit denen er nun zusammen spielt. Das Feierbier in der Kabine war an diesem Abend mehr als verdient. (we)

TVS: Donath, Lawanó; Klotz (1), Ost (2), Heckmann (2), Jäck (2), Hildenbeutel (10/3), Spatz (1), Weidenauer, Mohr (4), Schuhmann (2), P. Grimmer (1),

TVE: Reif, Kriechbaum; Förch (10/2), Dienemann (6), Müller (2), Schweizer (5), Metwally (1), M. Hofmann (6), Stephan (2), Tervoort, Erb (3/2), Stroh, Dürr

 
 

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